Guter Vorsatz 3: Gesünder leben

Sprungartig steigt ab Neujahr die Zahl der Spots für Shakes, Kapseln, Programme, Kuren. Während in Fitnessstudios zuvor gähnende Leere herrschte, muss man sich in diesen Tagen auf ein Gedrängel vor den Geräten einstellen. Kann das wirklich nur am Startschuss „neues Jahr, neues Glück“ liegen? Oder steckt noch mehr dahinter? Ich denke, es ist vor allen Dingen das aufgeblähte und vollends abgefütterte Körpergefühl der Adventszeit, das uns nun antreibt, den überflüssigen Ballast so schnell wie möglich loszuwerden. Man fühlt sich irgendwie Bäh und sehnt sich buchstäblich nach der Leichtigkeit des Frühlings. Warum kostet es uns dann trotzdem so viel Überwindung, den Allerwertesten nachhaltig hochzukriegen?

Im Freundeskreis war kürzlich jemand überzeugt, schon nach drei Wochen das ehrgeizig gesteckte Ziel der neuen Leichtigkeit erreicht zu haben. So trat er mit einer Mischung aus Stolz und Fassungslosigkeit ins Wohnzimmer und sagte: „Ich habe zwölf Kilo abgenommen.“ Sie musterte sein Profil mit einem abschätzigen Blick und fragte kühl: „Wo soll das denn passiert sein?“ Nach kurzer Diskussion forderte sie ihn auf, ihr ins Bad zu folgen. Herausfordernd betrat er sogleich die Waage und stellte mit unüberhörbarer Überlegenheit fest: „Da. 84 Kilo. Hab ich doch gesagt!“ Er schien sich zu fragen, was die Leute für ein Theater ums Abnehmen machten, schließlich hatte er lediglich an drei Abenden auf den mitternächtlichen Zusatzsnack verzichtet und Schwups! Doch sie hob nur die Augenbrauen, scheuchte ihn von der Waage und machte sich kurz daran zu schaffen. Siegessicher betrat er sie erneut. Doch plötzlich zeigte sie wieder die gewohnten 96 Kilo an. Verwirrt blickte er sie an, aber sie verließ bereits mit einem Prusten das Badezimmer. Des Rätsels Lösung: Er hatte die mechanische Waage nicht am Rädchen auf null gestellt. Den besagten Freund nennt man seitdem übrigens nur noch den 84er.

Natürlich ist es für das Erreichen seiner Ziele förderlich, die Unterstützung des Partners und des Umfelds zu haben. Tja, aber Partnerschaft ist eben auch, sich gegenseitig wieder auf den Boden der Tatsachen zu holen und eine Kurskorrektur zu empfehlen. In diesem Falle eine Korrektur der Einstellung. Sowohl im wörtlichen, als auch im übertragenen Sinne. „Wenn Du wirklich etwas für Deinen Körper tun willst, gehört ein bisschen mehr Veränderung im Alltag dazu“, brachte sie es später auf den Punkt. „Gesund leben, heißt nicht drei Mal das Wurstbrot weglassen, sondern ist ein dauerhaftes Verhalten.“ Das hat sie gut analysiert, aber was soll man nur tun? Zusammengefasst unter der Überschrift „Gesünder leben“, verbergen sich die Evergreens der guten Vorsätze: mehr Sport (53 %), gesünder ernähren (47 %), abnehmen (30 %), weniger Alkohol (12 %) und das Rauchen aufgeben (7 %). Aber es sind mehr als nur liebsten Vorsätze der Deutschen, denn es sind auch tatsächlich diejenigen Aspekte die nötig sind, um langfristig fit und gesund zu sein. Sogar fast in dieser Reihenfolge. Man muss nicht tief graben, um eindeutige Erhebungen über die Zusammenhänge von Gesundheit, mit regelmäßigem Sport, Ernährung und Idealgewicht, zu finden. Ein stabiles Herz-Kreislaufsystem, Wundheilung, guter Schlaf bis hin zu seelischer Gesundheit und Glücksempfinden. Im Prinzip wissen wir doch intuitiv ganz genau was zu tun ist und wofür es sich lohnt. Und es ist so leicht zu erreichen, nur mit Veränderung unseres Verhaltens!

Oder doch nicht? Denn der Feind steckt sprichwörtlich in uns: Das Gehirn belohnt routinierte Abläufe mit Glückshormonen, die uns Behaglichkeit vermitteln. Es gaukelt uns daher sogar vor, dass es ganz vernünftig sei bei Regen und Kälte, besser mit dem Herzblatt auf dem Sofa zu bleiben. Auf Fett und Zucker reagiert es wie auf einen Drogenrausch, von dem wir alle schon längst abhängig sind. Puh, das ist ein starker Gegner. Kein Wunder, dass wir uns so schwer tun und regelrecht gegen Entzugserscheinungen kämpfen müssen. Wir haben nur eine Chance: Die zwei Monate mittels Abreißkalender durchzuhalten, die unsere Schaltzentrale braucht, von dem Trip runterzukommen, eine neue Routine fest zu verankern und dann eben diese mit Glückshormonen zu belohnen. Man muss nur wissen, an welchem Rädchen man drehen muss, um die Einstellung zu ändern.

Also: Durchbeißen! Jeder Tag zählt!

Diese Kolumne ist im Buch „Liebesmüh hoch zwei“ erschienen, dem zweiten Band der dreiteiligen Liebesmüh-Reihe: Gesammelte Essays, Artikel und Kolumnen über die Mühen, den Alltag mit Liebe zu überstehen – und die Liebe im Alltag nicht zu verlieren.

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