Das Erdgeschoss

Nun befinden wir uns in der Belle Etage. 🙂

Hier haben wir die größten Veränderungen am Grundriss vorgenommen, auch wenn wir der grundsätzlichen Aufteilung doch treu geblieben sind. Durch- und Abbrüche sind im Plan gelb markiert, eine Tür wurde geschlossen (rote Markierung):

Die Küche

Der Boden war bräunlich gefliest, an der Wand zum WC hing der typische Fliesenspiegel an der Wand. Ein doppelflügeliges Fenster zeigte nach Süden, ein Kleines über dem Fliesenspiegel, nach Osten. Am Kamin in der Ecke war noch ein alter Herd angeschlossen (leider nicht erhaltungswürdig). An der massiven Holzlampe die noch von der Decke hing, hat sich ein Handwerker bei einer der ersten Besichtigungen direkt eine übel blutende Macke in die Augenbraue gehauen. :-/ Von ihm haben wir nicht einmal ein Angebot erhalten. Vermutlich lag es daran…

Aus dem kleinen Fenster haben wir ein zweites doppelflügeliges Fenster gemacht, das nun die Morgensonne hereinlässt und bis auf die Arbeitsplatte ragt. Dieses Fenster liegt genau über dem zusätzlichen Fenster im Büro, sodass es auch von außen wieder eine schöne Symmetrie ergibt. Die Bodenfliesen haben wir mit speziellem Fliesenlack weiß lackiert, weil mir Größe und Verlegemuster der alten Fliesen gefallen haben und sie abgesehen von der dunklen Farbe, top in Ordnung waren. Ich muss allerdings sagen, dass ich dies nicht noch einmal so entscheiden würde. Trotz der Beteuerung des Herstellers, zur extremen Belastbarkeit des Lackes, gab es schon wenige Tage nach Einzug die ersten Macken. Und jetzt, zwei Jahre nach Einzug, entsprechend einige Macken mehr. Das wird wohl irgendwann die erste Renovierungsmaßnahme werden. Tja, sowas gehört wohl auch zu den Erfahrungen einer Kernsanierung.

Ansonsten hatte ich für die Küchenzeile klare Vorstellungen: Nur Unterschränke, um den Raum schön großzügig und luftig zu belassen. Wobei sämtliche Schränke ausschließlich mit Schubladen ausgestattet sind, so gibt es keine versteckten Ecken mit Schüsselchen, an die man eh nie rankommt. Eine Echtholzarbeitsplatte sollte es sein und ansonsten ein zeitlos-elegantes Erscheinungsbild, das sich im Laufe der Jahre durch wechselnde Farben und Accessoires immer wieder wandeln darf. Die Fronten sind edel matt lackiert (hochglänzend wäre mir zu anstrengend gewesen). Als Spritzschutz habe ich bedruckte Glasplatten gewählt. Das Fotomotiv stammt übrigens aus meinem Buch Kurz & Blutig. 🙂

Eine kleine integrierte Bank hatte ich irgendwie gleich vor Augen. Und es funktioniert genau so wie ich es mir gedacht habe: Besuch kommt rein, setzt sich mit einem Glas Wein schon einmal auf die Bank, während ich fertig koche. Da muss ich nicht mal einen Platz anbieten. 😀

Ansonsten konnte ich mir noch den Wunsch eines alten Buffetschranks aus den 1910er Jahren erfüllen. Er passt so wunderschön dazu! Und das Stöbern in den riesigen Scheunen des Antiquitätenhändlers war an sich schon die reinste Freude. Den Deckenleuchter habe ich übrigens vor etlichen Jahren mal bei einer Haushaltsauflösung ergattert, er stammt ebenfalls aus den 1910er Jahren.

Auf einen Küchentisch verzichten wir ganz bewusst. Einerseits ist die Küche so schön frei und man muss nicht immer um ein Möbel herumlaufen. Andererseits liegt direkt nebenan das Esszimmer mit dem großen Tisch, den wir einfach täglich nutzen möchten. Viel zu oft sind Esszimmer Räume, die mal zu Feiertagen genutzt werden und ansonsten einfach unbelebt sind. Das finde ich schade.

Das Esszimmer

Ursprünglich waren es zwei Räume, die mit einer Durchgangszarge mehr oder minder voneinander getrennt waren. Auf die Terrasse führte nur eine einfache Tür, während es im Nebenraum ein großes Fenster gab. Der Boden war vollständig mit altem Eichenparkett in Fischgrätmuster belegt, jedoch nachgedunkelt und dick lackiert (wie es eben mal so üblich war).

Wir haben die Zarge entfernt und im hinteren Raum einen breiten Durchbruch geschaffen. Hier ist jetzt das Wohnzimmer als gefangener Raum. Außerdem haben wir aus dem großen Fenster, sowie der einfachen Tür, je doppelflügelige Türen gemacht. Es werde Licht!

Apropos Licht: Im Esszimmer war es mir wichtig, eine Dimmfunktion zu haben. Damit es beim Candlelight-Dinner auch schön gemütlich ist. 🙂
Das Parkett wurde geschliffen und geölt, die fehlenden Parkettleisten wurden dort wo vorher die Wände der Zarge standen, entsprechend ergänzt. Der Raum wirkt nun durch den schönen Honigton der Eiche unglaublich warm.

Das Bild das an der Stirnwand auf dem Regalbrett (über dem neuen Heizkörper) steht, tausche ich übrigens mehrmals im Jahr je nach Saison aus. Weil gerade da ich diese Zeilen schreibe, Frühling ist, seht Ihr meinen liebsten Flohmarkt-Fund: einen superkitschigen Jüngling auf weißem Ross, umringt von Nymphen die zarte Blumen werfen… Alles gold umrahmt. Spitze! 😀 Im Winter ist es zum Beispiel ein Kunstdruck vom Mädchen mit dem Perlenohrring. Das nur am Rande.

Die Entscheidung den nun größten Raum des Hauses als Esszimmer zu nutzen und das Wohnzimmer als deutlich kleineren gefangenen Raum auf einen vermeintlich niederen Rang zu verweisen, hat für allerlei Diskussionen mit ungläubigen Baustellenbesuchern geführt. Offenbar gehört es sich so, dass der größte Raum des Hauses das Wohnzimmer zu sein hat! 😀 Was habe ich mir also dabei gedacht? Nun ja, ich sehe das so: Das Esszimmer ist mit dem Zugang zur Terrasse und der Süd-westlichen Ausrichtung, der vielleicht schönste Raum im Haus. Hier essen wir zusammen (wir Hippies haben ja keinen Küchentisch), hier wird gebastelt, hier sitzen wir mit Gästen. Man kann sagen, dass sich hier größtenteils das Leben abspielt. Dabei kann man den Blick nach draußen und die Großzügigkeit des Raums genießen.

Und wenn wir zu Zweit auf dem Sofa sitzen und lesen oder fernsehen möchten, schaue ich doch eh nicht nach draußen, sondern auf die Flimmerkiste. Wofür bräuchte ich dann den hübschen Blick nach draußen? Außerdem ist der kleine Raum automatisch viel kuscheliger. Zudem hat das Wohnzimmer bei uns ohnehin stark den Charme einer Bibliothek mit integriertem Musikzimmer. Das dazu und vielleicht als Anregung für eine alternative Aufteilung der Räume. 🙂

Ursprünglich war einmal der Plan, im Esszimmer einen Holzkaminofen zu installieren. Hierfür haben wir einen der alten Schornsteine stehen und zuvor vom Schornsteinfeger prüfen lassen. Als es dann jedoch um die Auswahl eines Kaminofens ging, haben wir die Sache noch einmal grundsätzlich kritisch beäugt: Es gäbe nur eine Stelle an der die Montage möglich wäre, weil dahinter in der Küche der Schornstein hochführt. Weil dort an dieser kurzen Wand zusätzlich der Türanschlag ist, hat sich die Zahl der möglichen Modelle stark dezimiert: Es hätte ein sehr schlankes Modell sein müssen (sodass man die Esszimmertür auch weiterhin vollständig hätte öffnen können, so wie auf dem Foto zu sehen), für das wir stets Holzscheite in kleinerer Sondergröße gebraucht hätten. Zudem hätte für mich nur ein wandhängendes Modell gepasst, da nur diese Variante nicht zu weit in den Raum und Laufweg geragt hätte. Dazu der Umstand, dass zwei Kleinkinder unsere Familie erst zur Familie machen, der Dreck, die beachtlichen Kosten des speziellen Kamins und seiner Installation, die Notwendigkeit eines Holzlagers, das Holzschleppen, die Mehrkosten beim Schornsteinfeger… Puh, ach nee. Kurzum: Wir wollen es nicht so unbedingt haben, als dass wir bereit wären all das in Kauf zu nehmen. Für 10 Mal im Jahr noch mehr Gemütlichkeit? Außerdem macht es unsere nagelneue Heizungsanlage im Nu kuschelig warm.

Wir haben nun eine schlanke Kaminofenumrandung platziert, die ich saisonal wunderbar dekorieren kann. Schon allein die Nikolausstiefel waren zur Weihnachtszeit ein Traum! Im „Kamin“ stehen an sich hübsche Echtwachs-LED-Kerzen, aber selbst die wurden vom einjährigen Gartenzwerg heftig in die Mangel genommen. 😀 Nun bleibt der Kamin erst einmal leer, dient als winziges und sehr beliebtes Sitzbänkchen, bis ich eines Tages echte Kerzen platzieren kann und die Gemütlichkeit keine Grenzen mehr kennt…

Und eine ganz besondere Möglichkeit haben wir außerdem: Für Familienfeiern können wir den genauso großen Tisch von der Terrasse reinholen (oder bei entsprechender Wetterlage umgekehrt) und so recht bequem mit 20 Personen im Esszimmer tafeln. 🙂

Das Wohnzimmer

Dieser Raum war zuvor ein eigenständiges Zimmer, in das man vom kleinen Flur aus gelangte. Diese Tür haben wir jedoch geschlossen und stattdessen den breiten Durchbruch vom Esszimmer aus gemacht (in die Wand hier links im Bild).

Es ist einer von nur zwei Räumen, in dem Fertigparkett gelegen hat. Auch dieses haben wir schleifen und ölen lassen, sodass es einen schönen warmen Honigton bekommen hat.

Ansonsten waren hier die Steckdosen in Deckenhöhe wichtig, da es unbedingt eine Bibliotheksbeleuchtung geben sollte. Am Nachmittag und Abend ist das natürliche Licht hier allerdings besonders schön, denn dann fallen die Sonnenstrahlen herein, bevor sie hinter dem Berg verschwindet. Ich sags ja: sehr gemütlich! 🙂

Das Gäste-WC

Einer der Räume, wenn nicht sogar DER Raum, mit der größten Veränderung. Neben dem Dachgeschoss. Eigentlich hatten wir geplant, an die Stelle der alten Badewanne eine Walk-in-Dusche zu platzieren um so ein voll ausgestattetes Gäste-Bad zu haben. Doch dann kam alles anders… 😀

Vor etlichen Jahren hatte ich auf houzz.de (anschauen!) mal ein Beispiel für eine gewagte No-Budget-Badsanierung gesehen: alle beigen 80er-Jahre Fliesen wurden kurzerhand matt schwarz lackiert und die Messingfarbenen Armaturen wieder montiert. Die beige Wanne ist geblieben, dazu ein paar neue goldene Accessoires. Das Ergebnis war der HAMMER! Das hat so edel ausgesehen. Muss man sich aber trauen. Es ist mir über Jahre so im Gedächtnis geblieben, dass ich mir nun fest in den Kopf gesetzt hatte, eines unserer Bäder schwarz-gold zu gestalten!

Die Mosaikfliesen mit schwarzen, goldenen und kupferfarbenen Metallplättchen haben mich einfach geflasht. 😀 Die standen zuerst fest, also musste der Rest nun dazu passen. Als wir dann gemeinsam mit unserem Sanitärinstallateuer beim Großhändler waren und die Einrichtung für gleich drei Badezimmer aussuchten, machte das Schlusslicht unser Gäste-Bad. Der beste Ehemann von allen und ich, sind uns bei Einrichtung und Mobiliar so schnell einig, dass es die Herren eh nicht fassen konnten, dass wir drei Bäder in einem Termin schafften. Das auch noch zügig und ohne Ehekrise! 😀

Der junge Mann zeigte uns also nun Vorschläge für unser Gäste-Bad. Alles hübsche Sachen, keine Frage. Nur irgendwie… normal. Ich zückte also mein Handy und sagte: „Ich zeig Ihnen mal welche Fliesen ich ausgesucht habe. Die Wände werden übrigens nahezu schwarz. Eine Sonderanfertigung vom Lehmputzhersteller…“ Er zog kurz die Augenbrauen hoch und sagte dann mit einem Schmunzeln: „Also ich hab hier was in der Ausstellung, das noch nie ein Kunde gekauft hat…“

Ein Blick und das war es einfach! Das hat auf uns gewartet! Ein freistehender runder Waschtisch mit nahezu schwarzem Lederbezug und Kupferring, dazu massive Kupferarmaturen und ein Heizkörper, der mit einer geätzten Kupferplatte verkleidet ist. Dazu kam die passende runde Toilette vom Designer Philipp Starck. Der Wahnsinn! Die Dusche haben wir kurzerhand aus der Planung gestrichen. Diese Objekte brauchen Platz um zu wirken.

Wir sind total happy mit dem Ergebnis. Unser Gäste-WC wird auch liebevoll „Der Nachtclub“ genannt. 😀

Natürlich gab es auf der Baustelle auch viel Spaß und Gelächter mit den Handwerkern, als unser Disko-Bad gefliest und schließlich die Armaturen installiert wurden. 😀

Weniger lustig war allerdings, dass auf jedem einzelnen (!) Mosaikplättchen eine kleine Folie klebte, die vor dem Verfugen entfernt werden mussten. Die Kurzfassung: Nach einem schrecklichen Sonntag hatten meine Oma und ich keine Daumennägel mehr! 😀

Und das war es auch schon auf unserer Belle Etage. Gehen wir noch ein Stockwerk nach oben, ins Obergeschoss – zur Erinnerung: Es gibt nur eins. 😉

Die Kernsanierung

Die Sanierung der einzelnen Etagen stelle ich Euch gerne vor:
Das Haus
Das Kellergeschoss
Das Erdgeschoss
Das Obergeschoss
Das Dachgeschoss