Das Haus – die Kernsanierung

Der Traum vom Haus hat uns schon länger beschäftigt. Mich noch mehr als den besten Ehemann von allen. Auch wenn ich in den fünfzehn Jahren in denen ich in der Stadt gewohnt habe, immer tolle Wohnungen hatte und nicht zuletzt die ganzen Jahre mit dem Pachtgarten eine wunderbare Möglichkeit umfangreiche Gärtnererfahrungen zu sammeln, hatte ich trotz aller Privilegien irgendwie immer das Gefühl an einer Zwischenstation zu sein. Die Wohnungen hatten teils Potenzial zu richtigen Schmuckstücken zu werden, aber in eine Mietwohnung investiert man nicht so – oder kann eben nicht einfach umbauen wie man es sich vorstellt. Beim Pachtgarten, der nah am Schloss Wilhelmshöhe gelegen war, gab es die jährliche Kontrolle und die Auflagen wegen des Weltkulturerbes Bergpark Wilhelmshöhe – also konnte ich auch hier nicht so massiv Hand anlegen wie ich eigentlich wollte.

Kurzum: Eigentlich träumte ich schon seit meinem Auszug aus dem Elternhaus vom Eigenheim. So in etwa. 🙂 Sich entfalten, gestalten, Platz. Platz! Für Lieblingsmenschen, Leben in der Bude, Hobbies. Aber über allem stand für mich der Punkt des Ankommens. Ankommen in einem zu Hause, das einem für immer gehört und in dem das eigene Leben Spuren hinterlässt. Es bedeutete mir also durchaus einiges.

Die Suche

Aber wie soll das eigene Traumhaus aussehen? Was muss es haben, was ist optional? Wie flexibel ist man was die Lage und die eigenen Wünsche angeht? Ich denke es ist ein bisschen wie bei der Partnersuche: Man muss wissen was man will und was man selbst mitbringt, dann klappt es auch. Irgendwann. 🙂

Über Jahre habe ich immer mal Häuser fotografiert, die mir besonders gefallen haben, um später festzustellen, dass sie alle einige Ähnlichkeiten aufzeigten: Ich für meinen Teil habe schon immer von einer wild-romantischen Bruchbude fürstlichen Ausmaßes voller Geheimnisse geträumt, die man neu gestalten kann. 😀 Der beste Ehemann von allen hingegen, wollte am liebsten ein Traumhaus auf dem weißen Blatt Papier gestalten und sich so verwirklichen – klar, er ist Architekt. Den Grundriss für einen Neubau hatten wir für alle Fälle also auch parat liegen. In zwei Punkten waren wir uns aber unumstößlich einig: ein Stadthaus muss es sein und es muss einen guten Musikkeller geben! Denn unsere gemeinsame (laute) Musikleidenschaft war auch ein wesentlicher Punkt für die Haussuche, die konnten wir in einer Stadtwohnung nämlich nicht ansatzweise ausleben. Zeitweise haben wir gesagt: „Wir suchen einen schönen Keller mit Haus drumherum, den Rest kriegen wir schon hin.“ 😀

Wir haben uns wirklich einige Häuser angeschaut!! Auch im Kasseler Umland, was wir nach ein paar Besichtigungen aber final ausgeschlossen haben: gerne Stadtrand, aber Stadt. Wir würden uns auf dem Land auf Dauer nicht wohlfühlen, auch wenn die Grundstücksgrößen für mich teils sehr verlockend waren – was hätte ich da Gärten anlegen können! Nein, Parks! 😀 Manche Häuser konnten wir schon vom Auto aus ausschließen, ohne einen Fuß über die Schwelle zu setzen. Andere waren nett, aber nicht so richtig das was wir suchten. Bei drei Objekten waren wir allerdings in den Planungen sehr konkret sowie in den Verhandlungen weit fortgeschritten. Drei Mal wurden wir beim Kaufpreis überboten. 🙁 Wir waren jedesmal richtig traurig und geknickt. Denn wenn man sich auf eine Immobilie einlässt, fängt man an sich vorzustellen, wie man dort lebt, wie es aussehen wird, wie man die Möbel platziert. Klar, sonst hätte man ja auch kein Gebot abgegeben. Nach der letzten Enttäuschung hatte ich keine Lust mehr, ich war vollends frustriert. Aber da hatte es den Gatten gepackt, nun nahm er die Zügel in die Hand! Bei der erneuten Online-Suche gab es ein Objekt das quasi bezugsfertig und interessant wirkte, der Gatte war Feuer und Flamme, hatte quasi schon gekauft. 😉 Und da war doch immer noch diese „kleine“ Bruchbude zu haben, mit den Fotos die Schreckliches erahnen ließen… Der Gatte verweigerte mir allein deswegen schon seit Monaten die Besichtigung! „Auf so eine Sanierung habe ich keinen Bock, das sieht ja furchtbar aus“, sagte er. Da aber Beides zufällig vom selben Makler angeboten wurde, wurde uns doch prompt für Beides ein Besichtigungstermin angeboten – schließlich lagen sie nur ein paar Straßen voneinander entfernt. „Da bin ich aber gespannt. Dass ich dieses Haus doch noch zu sehen bekomme…“, dachte ich noch, inzwischen schon nahezu sicher, dass es das andere werden würde weil der Gatte so dafür brannte.

Tja, und bei der realen Begegnung gab es plötzlich einen Rollentausch… Das „schöne Haus“ entpuppte sich als für uns völlig unpassend: Garten, Aufteilung, Keller, Lage, Nachbarschaft, alles nichts für uns. Bei der Vorstellung dort zu leben, empfanden wir einen regelrechten Widerwillen. Der beste Zustand bringt eben nichts, wenn das Gefühl vor Ort nicht stimmt. Ganz anders bei der Bruchbude…

Februar 2018 – Am Tag der Besichtigung

Zugegeben, es hat einiges an Fantasie gebraucht um das zu sehen, was wir gesehen haben – und was es schlussendlich nach viel Arbeit auch geworden ist. Dabei wurde es drinnen erst richtig übel… Abgerockt. Total abgerockt die Bude. Später sind Freunden völlig die Gesichtszüge entglitten als wir unseren Neuerwerb präsentierten. 😀
Aber wir haben Beide sofort gesehen: Das ist ein Schmuckstück! Das wird traumhaft! Wenn man die Mühen einer Kernsanierung auf sich nimmt…

Abgesehen vom katastrophalen Zustand (Sanierungsstau seit 1952), stimmte aber einfach ALLES! Die Aufteilung der Räume, ein Büro für mich, eine Werkstatt für den besten Ehemann von allen, eine große Waschküche, überall altes Parkett. Und und und. Vor allem die drei wichtigsten Kriterien einer Immobilie wurden erfüllt: Lage, Lage, Lage. Den Rest könnte man wieder schön machen. Wichtig: Das Haus ist in Massivbauweise errichtet worden und hat eine gute gesunde Substanz. Mit „Bruchbude“ meine ich also ganz und gar nicht einsturzgefährdet. 😉

Abends – es war ein Montag – haben wir bei einem Glas Wein die beiden (übrigens sehr angenehmen) Besichtigungen besprochen und schnell entschieden: „Bevor wir wieder emotional so stark einsteigen, geben wir noch heute ein Gebot für die Bruchbude ab. Entweder es wird was oder nicht. Dann sehen wir weiter.“ Gesagt, getan.

Hier ein paar Eckdaten: Baujahr 1952 (Original-Zustand :-D), 160m² Wohnfläche mit Ausbau-Reserve zzgl Keller, 50m² Terrasse mit Fernblick, rund 800m² sehr sonniges Grundstück. Standort Kassel-Brasselsberg.

Und am Mittwochmorgen klingelte mein Handy. „Ganz herzlichen Glückwunsch, Ihr Gebot wurde angenommen!“ Wir haben uns so unendlich gefreut! 😀 😀
Notiz am Rande: Nachmittags klingelte noch einmal mein Handy. „Ganz herzlichen Glückwunsch, Sie sind schwanger!“ 😀 Kein Witz! Der Zeitplan für die Sanierung stand also auch.

Und dann ging alles ziemlich schnell. Die Finanzierung hatten wir mit der Kasseler Sparkasse ja schon bei den drei vorherigen „Beinahe-Häusern“ ausführlich besprochen. Wenn wir planten ein Gebot abzugeben, haben wir uns vorher die „Zweitmeinung“ zum Wert bzw. Preis eingeholt – wir wollten einfach gleich vermeiden hintenraus Probleme wegen einer möglichen Überfinanzierung oder so etwas zu bekommen. Das hat auch immer gut geklappt, aber im Hinblick auf die Zahl unserer Fehlversuche, sorgte es nun im vierten und finalen Anlauf schon für einiges Gelächter – inzwischen kannte man sich ja ganz gut. „Sprechen wir noch über dasselbe Haus?“, war die Einstiegsfrage beim Termin der Unterschriften. 😀

Bei der ganzen Abwicklung der Formalien haben das Maklerbüro, die Sparkasse sowie der Notar super zusammen gearbeitet. Das verlief alles total reibungslos! Einfach professionell.

Und dann Mitte April… Schlüsselübergabe!!! Bis heute sehr bedauerlich, dass wir an diesem besonderen Tag nicht zusammen anstoßen konnten. 😉

Und dann ging der Spaß im Mai 2018 los… KERNSANIERUNG! Die ich Euch hier gerne vorstelle. 🙂

Vor dem Beginn der Kernsanierung, haben wir uns mit einem Brief sowie einer selbstgemachten Marmelade bei den neuen Nachbarn vorgestellt – schließlich mussten die den Krach und die Hindernisse durch unsere Baumaßnahmen ebenfalls ertragen!

Die Fassade

Nach der Neugestaltung der Terrasse mit der gemauerten Brüstung, konnte im Frühjahr 2019 der dringend nötige Fassadenanstrich erfolgen. Ich habe mir ein sonnig-fröhliches Gelb vorgestellt, das nicht zu knallig, sondern elegant wirken sollte. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie viele Gelbtöne es gibt!! Aber irgendwann nach sehr, sehr vielen Farbkarten… Tadaa: Die Farbe heißt „Palazzo“ und ist im Farbfächer von Caparol zu finden. 🙂 Genau das, was ich vor Augen hatte!

Ein kleines Special gibt es bei der Sanierung der Fassade: Die roten Klinker empfand ich vom ersten Moment an als eine Art Fremdkörper. Sie passten einfach nicht zum Stil des Hauses. Die erste Idee war es, sie mit aufgesetzten Natursteinen zu verkleiden, am liebsten hellem Wesersandstein als Bruch, den ich schon hinten im Garten für den Rosenpavillon ausgesucht hatte. Kostet ein Vermögen! Das ich lieber für die komplette Neugestaltung des Gartens ausgeben wollte… 😀
Auch die Verkleidung durch andere Materialien wie moderne Platten oder Ähnliches, überzeugte mich nicht. Ich wollte ja unbedingt den Romantikgarten und da muss das Haus schon passen und umgekehrt. Der gemütliche Charme sollte wieder herausgearbeitet werden, was übrigens für die gesamte Sanierung unser roter Faden war. So kam ich auf die Idee, die Klinker einfach mit Fassadenfarbe zu streichen. Was für ein Aufruhr, als ich mit der Idee um die Ecke kam! „Das kannste nicht machen!“ „Wie soll das denn gehen?!“ oder „Das wird nicht klappen“ schallte es mir entgegen.

Ja, ich habe mich wirklich hingesetzt und habe jeden einzelnen Klinker gestrichen… Getupft trifft es eher. Ich habe einen runden Borstenpinsel sehr kurz geschnitten, damit die Borsten besonders fest sind. Und dann kräftig mit der Farbe auf die Klinker getupft, um in die unzähligen Ritzen der Steine zu kommen.

Und ich bin sehr froh, dass ich mich für diese Variante entschieden habe, statt die Farbe aufzusprühen. Mit dieser Technik hätten Steine und Fugen die gleiche Farbe angenommen und es wäre zu flächig geworden. So ist das Fugenbild erhalten geblieben und bietet eine schöne Tiefe.

Kosten: 80 € für einen Eimer Fassadenfarbe im Farbton meiner Wahl – eine Mischung aus Stein und Taupe. Na und ein paar Flaschen Bier während der Arbeit. Also ich bin mit dem Ergebnis sehr glücklich und würde es wieder tun! 🙂

Eine persönliche Anmerkung: Ich finde es unglaublich schade, dass derzeit so viele alte Häuser in der Stadt abgerissen und durch (sorry) seelenlose Neubauten ersetzt werden, die aussehen wie geklont. Kürzlich bin ich in einem Neubaugebiet gewesen und hatte fast einen Schwindelanfall so schrecklich war es!! Weiß & anthrazit, Beton & tonnenweise Steine in den Gärten. Grauenvoll! Ich hätte keine Chance das eigene Haus wiederzufinden weil eines aussieht wie das andere.
Tatsächlich scheint das auch der Grund dafür gewesen zu sein, dass unser Haus so lange auf dem Markt war: Die Menschen hatten keine Fantasie wie es aussehen könnte – oder wie es auch mal ausgesehen hat. Für einen Investor seelenloser „Stadtvillen“ war das Grundstück Gott sei Dank zu klein – da hatten unsere Nachbarn schon Schweißperlen auf der Stirn als das Haus zum Verkauf stand. So war es eben Glück für uns – und unsere Nachbarn.

Dabei kann man mit ein paar guten Ideen so wunderbar den alten Charme wieder herausarbeiten! Also mein Appell an alle Haussuchenden: Schaut lieber zwei Mal hin oder bittet jemanden um Ideen für eine Sanierung, bevor die Abrissbirne bestellt wird. Alt saniert kann so viel schöner, interessanter und individueller sein, als neu gebaut! Und das Stadtbild bleibt nebenbei bemerkt auch vielfältiger. Das musste auch mal gesagt werden.

2 Jahre nach Beginn der Kernsanierung – Mai 2020

Bleibt mir nur noch eines zu sagen:
Angekommen.

Die Kernsanierung

Ich stelle Euch die einzelnen Etagen und ihre Sanierung gerne vor:

Das Kellergeschoss
Das Erdgeschoss
Das Obergeschoss
Das Dachgeschoss

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